Kosten dämpfen und Versorgung sichern – mit gezieltem Umbau
Die Schweizer Spitäler und Kliniken spüren gleichzeitig einen starken Reformdruck und hohe Qualitätsansprüche. Das System steht vor einer tiefgreifenden Transformation. Die nötigen Diskussionen müssen offen geführt werden: Wo braucht es in Zukunft welche Leistungen? Und wie können wir sicherstellen, dass diese auch tatsächlich erbracht werden können?
Die Schweiz verfügt über ein hervorragendes Gesundheitssystem, gerade auch im internationalen Vergleich: einfach zugänglich für alle und qualitativ hochstehend. Gleichzeitig wächst der Kostendruck – angetrieben durch Demografie, medizinischen Fortschritt, Investitionsbedarf und Fachkräftemangel. In diesem Spannungsfeld wird gern mit einfachen Lösungen argumentiert: Weniger Spitäler gleich tiefere Kosten. H+ ist bereit für einen grundlegenden Wandel, dafür müssen aber zuerst die grundlegenden Fragen beantwortet werden:
Welche Leistungen erwarten wir als Gesellschaft in welcher Qualität – und unter welchen Rahmenbedingungen? Wo braucht es eine 24/7-Präsenz, wo sind Kooperationen sinnvoll, wo kann Digitalisierung Wege verkürzen? Und wie sichern wir den Personalbedarf für die nächsten Jahrzehnte? Um Antworten darauf zu finden, brauchen wir eine sachliche Diskussion. Diese darf sich nicht auf die Frage der Anzahl Spitalbetten oder Häuser beschränken, sondern muss unser Gesundheitswesen über den ganzen Behandlungspfad miteinbeziehen.
Politisch erfolgt zunehmend der Ruf nach einer stärkeren Zentralisierung in der Spitalplanung. Es ist unbestritten: Eine bessere interkantonale Koordination und die Etablierung von vernetzten Versorgungsmodellen sind richtig und überfällig. Aber die pauschale Forderung nach dem Motto «weniger Standorte gleich besser und günstiger» greift zu kurz. Die Schweiz ist in Bezug auf Bevölkerungsdichte und geografische Gegebenheiten sehr heterogen; Erreichbarkeit, Ausbildungskapazitäten und Angebotsbreite sind regional unterschiedlich. Die Neustrukturierung der Gesundheitsversorgung muss dem Rechnung tragen. Und vor allem muss die Bevölkerung hinter dem kommenden Strukturwandel stehen, wenn dieser erfolgreich sein soll.
Genauso kritisch sind Reformen, die zu noch mehr Bürokratie und damit zusätzlichen Kosten führen. Die Umsetzung der Pflegeinitiative ist ein solches Beispiel: Der Vorschlag des Bundesrates regelt zu viele Details und macht zu viele Vorgaben, die nicht praxistauglich sind, zeigt jedoch nicht auf, wie die zusätzlichen Kosten finanziert werden sollen. Die bessere Lösung ist es, hier auf die Kompetenz der Spitäler als fortschrittliche Arbeitgeber zu zählen, die sich der Herausforderung des Fachkräftemangels sehr bewusst sind.
Hier setzt die von H+ beauftragte PwC-Studie «Zukunftsperspektiven für die Spitallandschaft Schweiz» an. Sie soll die Diskussion versachlichen, indem sie Ausgangslage und Handlungsfelder strukturiert aufzeigt. Umbau statt Abbau ist hier das Stichwort. Und zwar nicht top down, sondern basierend auf den Kompetenzen und Erfahrungen an der Basis der Gesundheitsversorgung. Spitäler und Kliniken werden auch in Zukunft das Rückgrat der Versorgung bleiben. Sie werden im Verbund aber zum Teil neue Aufgaben zu übernehmen haben. Damit dies gelingt, müssen Politik, Kantone, Versicherer und Leistungserbringer gemeinsam Lösungen entwickeln. Nur so bleiben die Stärken unseres Gesundheitswesens auch in Zukunft erhalten.